Ausgabe

 

 RHEINBERG

Datum

 

10.12.2001

Ressort

 

LOKALAUSGABE

Überschrift

 

Klangreise "vom Dunkel zum Licht"

Text

 

In der Pfarrkirche St. Peter gelang der Musikalischen
Gesellschaft ein ebenso adventlicher wie imposanter
Coup. RHEINBERG. Fürwahr, das war der Höhepunkt des
Rheinberger Kulturherbstes: mit dem Chorkonzert in
der Pfarrkirche St. Peter gelang der Musikalischen
Gesellschaft ein ebenso adventlicher wie imposanter
Coup. "Vom Dunkel zum Licht" war die eineinhalbstündige
Klangreise durch das Oeuvre Felix Mendelssohn-Bartholdys
überschrieben, Musik von höchster Dramatik und Verinnerlichung,
niederschmetternd und gipfelstürmend zugleich.
Das halbe Mittelschiff belegt
 Um diesen Ansprüchen 
auch in der Ausführung gerecht zu werden, bedarf es
erlesener "Zutaten". Unter der Leitung des absolut
souveränen Folkwang-Professors Guido Knüsel belegten
der Städtische Konzertchor Duisburg (dessen Direktor
er seit 1977 ist) und das Folkwang Kammerorchester
aus Essen das halbe Mittelschiff, die andere Hälfte
blieb dem festlich gestimmten, dichtgedrängten Auditorium.
Doch eine gewaltige Tonsprache bedarf eines solchen
Aufwandes, das Ergebnis war überwältigend. Mit Auszügen
aus dem "Elias" op. 70, dem "Paulus" op. 36 sowie
der "Lobgesang"-Sinfonie Nr. 2 B-Dur op. 52 zogen
die weit über 100 Mitwirkenden sämtliche Register
fesselnder Großensemble-Kunst, die "tönend bewegten
Formen" erfüllten Kirche und Herzen gleichermaßen.
Pfarrer Frank Kargus assistierte der "Lichtwerdung"
mit eigenen Worten und rezitierten Texten aus den
Werken. Die andere zu vernehmende Stimme an diesem
Abend war die von James McLean, einem für die Stimmlage
außergewöhnlich präsenten Tenor, der sich mühelos
und textverständlich über dem Orchesterapparat zu
entfalten wusste. Lyrisch und dramatisch ("So ihr
mich von ganzem Herzen suchet"), rund geschliffen
("Dann werden die Gerechten leuchten"), rezitativisch
("Saget es, die ihr erlöst seid") und nahezu gespenstisch
("Stricke des Todes hatten uns umfangen") kam er den
Gestaltungsmöglichkeiten in allen Belangen nach, rang
er seinen Stimmbändern die unterschiedlichsten Stimmungslagen
ab. Auch dem Duisburger Konzertchor darf man diese
bescheinigen, kommt doch hier hinzu, das Ganze auf
rund 90 Kehlen zu verteilen. Höch st minutiöse, dynamische
Gestaltung, glänzende Abstimmung der einzelnen Stimmen,
Transparenz auch im "Stimmengewirr" - Guido Knüsel
hat hier ganze Arbeit geleistet. Als "Conductor" besticht
er durch Sachlichkeit ohne Gesichtsverlust, hart am
Kern orientiert, immer nachdrücklich, wenn es darum
geht, das nicht behäbige Klanggetriebe nach vorn zu
peitschen. Mendelssohns glückliche Synthese aus barockem
Formenkanon und romantischem Ausdrucksverlangen, die
immensen Reserven an dramatischen Steigerungen im
Zusammenwirken der menschlichen Stimmen mit den instrumentalen
Klangfarben des 19. Jahrhunderts lassen die "Lichtwerdung"
zum Fest auch für die Sinne werden; das Folkwang Kammerorchester
spielte sich mit teils schwereloser Leichtigkeit durchs
Notenlabyrinth, ließ keinen Akzent "verhungern", blies
und strich sich mitunter in den kollektiven "Rauschzustand".
"Wachet auf, ruft uns die Stimme"
Ein wahrlich kräftezehrendes Adventskonzert, an dessen Schluss
das Licht umso herrlicher strahlte: mit der Chorversion
des "Wachet auf, ruft uns die Stimme" als unumgänglicher
Zugabe wurden die Zuhörer in die Besinnlichkeit des
Weihnachtsfestes entlassen.  RALF WIRKUS