Ausgabe

 

 DUISBURG

Datum

 

10.11.2001

Ressort

 

LOKALAUSGABE

Überschrift

 

Der Zauber des Oratoriums

Text

 

 
 
Der Zauber des
Oratoriums
 
Bruno Weil dirigierte den Paulus
 
 
 Von Hajo Berns
 Der Elias gilt als das dramatischere, der zehn Jahre früher, 1836 entstandene Paulus als
das bedächtigere Oratorium Felix Mendelssohn Bartholdys. Gerade diese kontemplativen Züge
kamen jetzt im 4. Philharmonischen Konzert wunderbar zur Geltung.
 
  Man hätte es sich vorher denken können, dass Bruno Weil der ideale Dirigent des Werks
ist. Gleich in der Ouvertüre, die den Choral Wachet auf, ruft uns die Stimme verarbeitet,
wurde der ganze Zauber spürbar, der dann die gesamte Wiedergabe durchwehen sollte
beispielsweise in den Chorälen, die eher behutsam angegangen waren, dafür aber ein ganz
besonderes Flair gewannen, das in der ungefährdeten Frömmigkeit transportierenden
Geradlinigkeit fast irreal anmutete. Und das bei durchaus sehr bewusstem Umgang mit dem
Text.
 
  Im Jahr vor seinem 150. Geburtstag war dies für den Städtischen Konzertchor Duisburg die
letzte Kooperation mit Weil während dessen Zeit als General, und die von Guido Knüsel mit
Akribie eingestellten Sängerinnen und Sänger absolvierten ihren tragenden Part mit hoher
Stimmkultur und Engagement.
 
 Auch solistisch war die Aufführung hervorragend besetzt. Nataliya Kovalova geizte ebenso
wenig mit Wohllaut wie der niederländische Tenor Patrick Henckens. Der Bassist Georg
Zeppenfeld setzte ebenfalls auf Noblesse, weniger auf raumgreifende Stimmkraft. Bei der
Mezzosopranistin Barbara Hölzl und dem Bassisten Jörn E. Werner waren die kleineren
Aufgaben in besten Händen.
 
  Da auch die Philharmoniker sich für Mendelssohn und Weil gleichermaßen ins Zeug legten
und für ein fein abgestimmtes Klangbild sorgten, wurde an diesem Abend wohl jedem Besucher
klar, warum Paulus und Elias im 19. Jahrhundert so über alles beliebt waren.